Dachzelt Reise um die Iberische Halbinsel
Ein Wohnmobil soll her. Also Anfang September ab auf den Caravan Salon nach Düsseldorf.
Da stehen unglaubliche Wohnmobile. Doch alles etwas teuer und mir ein bisschen zu "bequem". Ikea lässt grüßen.
Ich möchte eigentlich nicht in einer Einbauwohnung auf 8 m² durch die Welt reisen. Heike ist der Vorstellung weitaus mehr zugeneigt.
In der Halle vorher, die Wohnwagen mit Kaminfeuer Imitat und begehbarem Kühlschrank, ja das kann ich mir vorstellen,😮 jenseits der siebzig.🤣
Da muss ich wohl doch mal selber Hand anlegen. Irgendwann.
Gut, etwas gefrustet - meine Portemonnaie bleibt unangetastet - gehen wir in die Hallen der angegliederten Outdoor Messe TourNatur.
Und direkt nach dem betreten der ersten Halle steht er da, ein weißer Skoda Yeti, wie meiner, mit Dachzelt drauf.
Ich habe direkt die Bilder von Familie Struutz auf ihrem Weg nach Neapel im Trabi "Schorsch" mit Dachzelt vor Augen.
"Go Trabi Go" - eine Hommage an die Verwirklichung der Träume, mit Goethes "Italienischen Reise" in der Hand.
Wir sind beide begeistert. Schauen, klettern rein, liegen probe, machen den Verkäufer auf uns aufmerksam.😂
Wir drehen zwar noch eine Runde durch die Hallen, aber das Dachzelt ist fest in unseren Köpfen.
Schon eine Stunde später ist es gekauft.
Jetzt muss es nur noch rechtzeitig geliefert werden, denn die Vorstellung einer ausgedehnten Reise durch Südwest Europa könnte sich ab Ende September damit wunderbar verwirklichen lassen.
Vézelay, Burg Guédelon, Pyrenäen, Granada, Sevilla, Lissabon, Santiago de Compostela - Orte die ich unbedingt mal bereisen möchte. Drei Wochen Urlaub, Auto etwas umbauen, Dachzelt drauf, knapp kalkulieren - Iberische Halbinsel wir kommen.
Bis zur Iberischen Halbinsel sind es zwar ein paar Kilometer, mehr, aber nur "Strecke machen" wollen wir auch nicht.
Erste Übernachtung in Vézelay mit seiner imposanten Basilika Sainte-Marie-Madeleine.
Auch am nächsten Tag wollen wir nicht einfach "durchrutschen" durch dies schöne Land.
Als Zwischenstopp haben wir uns den mittelalterliche Burgenbau, Burg Guédelon, eingebaut.
Seit zwanzig Jahren wird schon an der Burg gebaut und wir bekommen so einen imposanten Eindruck von der Leistung der Arbeiter im Mittelalter.
Schlussendlich landen wir heute an der Dordogne, bei Vézac.
Die letzten 30 Kilometer durch das Tal der Dordogne sind ein Genuss.
Kleine Orte, Burgen und Schlösser säumen den Weg. Links mäandert der Fluss, rechts ragt die Felswand auf, manchmal bis weit über die Straße.
Am nächsten Tag starten wir über dem Flusstal mit einer Besichtigung der Gärten von Marqueyssac.
Der weitere Weg durch Südfrankreich ist einfach Traumhaft.
Es geht immer weiter gen Süden. Bis dann die Gebirgskette der Pyrenäen am Horizont auftaucht, näher kommt, uns ins erste Tal aufsaugt und uns immer weiter nach oben führt.
Bis uns dann ein Tunnel aufnimmt und, wieder bergab fahrend, uns in Spanien wieder ans Licht schickt.
Wir erreichen unseren ersten freien Übernachtungsplatz, ganz oben im Tal von Pineta.
Heike hat heute Geburtstag, doch in den Pyrenäen ist die Auswahl an Gaststätten und Lebensmittelläden etwas dünn.
Wir kochen und essen am Übernachtungsplatz, bevor ...
Ja, bevor uns eine Kuhherde, auf dem Weg in den Stall, umringt. Die Hunde ins Zelt, Tisch und Essen verteidigen ist die Devise.
Was wir da noch nicht wissen können ... Die Kühe, die zu spät kommen, bleiben einfach draußen. Draußen um unser Auto und Dachzelt drum rum.
Und die Kühe haben große Glocken um den Hals hängen.
hier -> Wanderung im Tal von Pineta
Die nächsten beiden Tage fahren wir den Pyrenäen Kamm entlang, Richtung Mittelmeer.
Nach der gestrigen Kuhglocken Nacht, haben wir nun eine Wachhunde bellen Nacht.
Bei La Seu d'Urgell, in einem schönen Tal am südlichen Fuß der Pyrenäen, fängt am Abend ein Hund an.
Und kurz darauf bellt das ganze Tal - stundenlang.
Am Mittelmeer angekommen fahren wir über Figueres und El Port de la Selva nach Cadaqués.
In El Port de la Selva habe ich viele Sommer Urlaube auf dem Campingplatz verbracht.
Damals dachte ich, jeder macht so Urlaub, jeder fährt ans Mittelmeer und jeder hat Menschen einer anderen Nationalität im Nachbarzelt.
So Multi Kulti wie damals ist die Welt leider nicht mehr.
Ein Ruhetag in Cadaqués.
Es ist trocken und sehr warm. Ein bisschen unerwartet für uns, Ende September.
Meinen 49. Geburtstag kann ich. leicht schwitzend, an einem Strand bei Cadaqués genießen.
Südlich von Peñiscola, an der Costa del Azahar, landen wir auf dem Campingplatz Ribamar.
Ein komfortabler und, so dachten wir, sauberer Campingplatz. Die sanitären Anlagen sehr hochwertig und, genau, sauber.
Vielleicht aber nicht jeder Benutzer.
Und dann hat es uns erwischt. Mich schon am nächsten Tag auf dem Weg nach Granada.
Eigentlich hätte ich den Tag auch gut auf einer Toilette verbringen können.
Heike schafft es noch beschwerdefrei bis zum Abend.
Dann folgen drei Tage schlimmster Durchfall. Und das ist mit einem Dachzelt und Leiter wirklich nicht schön.
Nach 130 Kilometern, überwiegend durch monotone Oliven Haine, landen wir in Granada.
Der einzige geöffnete Campingplatz hat auch nur noch bis morgen auf.
Also am nächsten Vormittag mit ordentlich Bauchzwicken ein wenig um die Alhambra schleichen, nachmittags kurz in Cordobas Altstadt bei unglaublichen 35° C, landen wir anschließend im Nichts, auf einem Campingplatz, an einem fast leeren Stausee. Hauptsache sanitäre Anlagen.
Sevilla nehmen wir am nächsten Tag für einen Besuch in einem Hunde Shop mit. Wir brauchen neue Hundeleinen.
Ich habe gestern alle Leinen auf dem Autodach liegen lassen, die dann irgendwann unterwegs vom Dach gerutscht sind.
Am Abend landen wir auf einem schrecklich großen Campingplatz in Albufeira, Portugal.
Ein Ort voller Menschen, die ihre kostbaren Urlaubstage, sehr intensiv, mit allem was einem heute geboten wird, verbringen wollen.
Falscher kann ein Ort für uns nicht sein.
Aber ... die sanitären Anlagen sind topp.
Die portugiesische Südküste, der Praia da Marinha, könnte der wunderschöne Einstieg in unsere portugiesischen Roadtrip Tage sein, wenn wir nicht so ausgelaugt wären von dieser blöden Magen-Darm Infektion.
Schnell sind wir in Lissabon.
Hier gibt es einen Campingplatz, etwas außerhalb, sehr weitläufig und leer.
In die Stadt und nicht zu fuß. Wir versuchen ein Taxi zu bestellen. Ein Taxi, was bereit ist, uns und unsere Hunde mit zu nehmen. ... Sehr schwer. ... Und es kostet natürlich noch etwas extra.
Lissabon rauscht irgendwie an unserem Verstand vorbei.
Wir könnten eine faszinierende Stadt erkunden. Aber diesmal - nicht mit uns.
... Ganz am Rande ... Vier Kaffee's vertragen sich nicht mit einer gerade überstandenen Magen-Darm Infektion.
Schon am nächsten Tag verlassen wir Portugal und fahren weiter nach Galizien.
Galizien ist mir direkt irgendwie vertraut.
Die Landschaft ist hüglig und saftig grün.
Und das man so viel aus Granit herstellen und bauen kann, begeistert mich als Grenzstein verliebten Vermesser natürlich.
An einem Meeresarm, der sich weit ins Landesinnere zieht, bleiben wir für zwei Nächte. Ausspannen, Ruhe, am Meer wandern und sitzen.
Gegenüber die Großstadt Vigo, in der Bucht Fischfarmen und auf unserer Seite der Bucht ruhige Strände, aufgereiht bis zur Westspitze der Halbinsel.
An den hellen Stränden haben meine Augen gelitten.
In meinem Blickfeld erscheinen visuelle Phänomene und mischen sich mit dem vorhandenen Bild.
Das ist so irritierend, dass Heike die beiden nächsten Tage alleine das Auto fahren muss.
In Santiago de Compostela angekommen, können wir uns für den einzigen Stadt nahen Campingplatz entscheiden.
Camping As Cancelas ist vollkommen ok und ziemlich ruhig. Die Strecke in die Altstadt und zur Kathedrale ist nicht allzu weit.
Und endlich bin ich mal an der Kathedrale von Santiago de Compostela. Ja, nicht zu Fuß und trotzdem erfüllt von diesem Ort.
Ich habe das Glück noch zum Ende des Abendgottesdienstes in der Kathedrale zu sein.
Und ich bin nur noch still ergriffen, als der große Botafumeiro mit Kraft und Schwung über unseren Köpfen geschwungen wird und den Weihrauch im ganzen Kirchenschiff verteilt.
Unsere letzten Urlaubstage verbringen wir an der Atlantikküste von Asturien.
Im Rücken die Picos de Europa, können wir auf dem in vielen Terrassen über dem Meer angelegten Campingplatz La Paz nochmal ausspannen, bevor wir die lange Rückfahrt antreten.
La Paz, ein traumhafter Campingplatz, entweder über einer schönen Bucht mit Strand oder dem tosenden Atlantik. Das kommt auf die Gezeiten an. Ich werde nicht zum letzten mal hier sein.
In den vergangenen drei Wochen haben wir eine Menge Erfahrung mit dem Dachzelt gesammelt.
Auf- und Abbau gehen leicht von der Hand, wenn man ein bisschen ums und auf dem Auto rum klettert.
Einmal aufgebaut, verweilt man auch an diesem Ort. Einkäufe und Besichtigungen muss man vorher einplanen.
21 Tage, 6826 Kilometer, 500 Liter Diesel.
Eine Menge Eindrücke und für mich der Start in eine längere Dachzelt Phase mit vielen schönen Roadtrips und Begegnungen auf Parkplätzen und Gesprächen über das Reisen mit und schlafen im Dachzelt. ... Mit meinen treuen Begleitern Edda und Steve.