Geduld und Humor sind zwei Kamele die mich durch jede Wüste bringen.
Arabisches Sprichwort

Wales - in nur zwei Wochen dem Zauber und der Gastfreundschaft dieses Landes verfallen

Spontane Wohnmobil Tour von Sandra, Fülop, Boots, Steve und mir - zwei Menschen und drei Hunde auf 6 m².

Nachdem wir früh am Fährhafen waren, unsere Papiere und das Wohnmobil sechsmal kontrolliert wurden, Sandra die Überfahrt im Bus und ich auf einer Couch im Bordrestaurant verschlafen haben, der Linksverkehr mir keine Probleme bereitet hat, erreichen wir Wales gegen 10:00 Uhr am Samstag, den 28. September.

Die Recherchen und Vorplanungen von Sandra waren umfangreich und uns blieb die Qual der Wahl.
Übernachtungsplätze und Wanderungen durfte ich federführend auswählen, die sehenswerten Pub's oblagen uneingeschränkt der Fachfrau.
So ab dem dritten Pub habe ich auch kapiert, dass ausschließlich Sandra direkt das besonders gut schmeckende Ale bestellt.

Unser Roadtrip startet bei Tindern Abbey, das Tor zu einer Wales Tour.
Nachmittags fahren wir noch weiter zur Oxwich Bay, wo wir das erste Mal direkt am Strand übernachten können.
Hier starten wir am nächsten Morgen zu einer 15 Kilometer Wanderung, mit ständigem Blick aufs Meer.

Wir fahren ins Inland, nach Trap, unweit des Carreg Cennen Castle.

17:00 Uhr, der Pub The Cennen Arms öffnet genau rechtzeitig um unseren Hunger zu stillen.
Wir beide essen die beiden auf den Tafeln angeschriebenen Lamm Tagesgerichte und haben damit eine super Wahl getroffen.
Der Wirt empfiehlt uns unbedingt die Minzsoße zu probieren.
Ich muss unweigerlich an Obelix, in Asterix bei den Briten, denken. Gekochtes Wildschwein in Minzsoße. Mein Vorbild aus meiner Kindheit war nicht begeistert.
Wir sind ordentlich skeptisch, aber unser Wirt stellt, mit einem Lächeln, ein Schälchen Minzsoße dazu.
Seit diesem Moment können wir uns Fleisch mit Minzsoße nicht nur vorstellen, sondern sind begeistert von dieser Kombination. 

Der freundliche Wirt empfiehlt uns den Parkplatz gegenüber für die Übernachtung.
Diesen ersten walisischen Pub Besuch werden wir sicher nie vergessen. Herzlich, ursprünglich, Teppich, Platz Brett'chen, fantastisches Essen und lecker Ale ... und leider ... im Jahr 2025 dauerhaft geschlossen. The Cennen Arms und unsere Bekehrung zur Minzsoße.

Hier kommt ihr zur Wanderung ... Wales - Carreg Cennen Castle

Die kommenden Tage durften wir auf verschiedenen Wanderungen das walisische Wetter in vollen Zügen genießen. 

Strumble Head, ein Fels, ein Leuchtturm, ein Parkplatz für die Nacht mit einem der schönsten Blicke, die ich jemals gen Westen in den Sonnenuntergang genießen durfte.
Und vorher noch die Wanderung ...  Wales - Strumble Head

Die weitere Route verlief über St. Davids, wo uns ein ehemaliger Hurrikan, von der Irischen See kommend, etwas durchschüttelte, quer durch Snowdonia, zur Keltischen Stein Burg Tre'r Ceyrl. Hier waren wir während der Wanderung von Nebel umhüllt, mit viel Morast unter den Wanderschuhen und Pfoten.

In der Red Warf Bay essen wir im Pub The Ship In. Hier am Strand hat Maurice Wilks 1947 den ersten Land Rover Defender in den Sand skizziert.
Weiter geht es nach Rhoscolyn, wo ich bewusst meinen ersten Gedenkstein für einen besonderen Begleiter, dem Hund Tyger, entdecke.
Hier seine treue Geschichte, die er selbst mit seinem Leben bezahlte:
Die Nacht des 17. September 1819 war stockfinster und dichter Nebel. Eine Ketsch auf dem Weg nach Liverpool tastete sich durch den Nebel vor der Küste bei Rhoscolyn, als sie 1,3 km nordwestlich von Rhoscolyn Head auf den Felsen Maen Picscar auflief und sofort zu sinken begann.
Da der Nebel so dicht war, konnte die vierköpfige Besatzung die Küste nicht ausmachen und wusste daher nicht, in welche Richtung sie schwimmen sollten, um sich zu retten. Doch der Retriever des Kapitäns, Tyger, bellte eifrig und schien sich sicher zu sein, in welche Richtung sie schwimmen müssen. Mit dem Schiffsjungen, der sich an sein Halsband klammerte, kämpfte sich das tapfere Tier die 1,3 Kilometer durch die starke Strömung bis ans sichere Ufer. Erschöpft schwamm Tyger, der treue Hund, zurück zu seinem Herrn und den anderen Überlebenden, die sich noch immer verzweifelt an die Trümmer klammerten und versuchten sich über Wasser zu halten. Einer der Männer war in Not geraten, und da die anderen beiden zusammenblieben und ihm folgten, zog Tyger den in Not geratenen Seemann am Kragen seiner Jacke an Land.
Alle vier entkamen dem Ertrinken dank des tapferen Einsatzes und der Treue eines Hundes.
Doch leider waren die Anstrengungen für Tyger zu viel, und er starb erschöpft in den Armen seines Herrchens an jenem Ufer, das sie so mühsam erreicht hatten.
😢

Über Beaumaris kommen wir zu den Aber Falls.

Unsere Wanderung über den Waun Fach, bei Talgarth, hat tatsächlich alle Wetter und die gleich mehrmals. Zweimal komplett durchnässt, zweimal getrocknet und zum Abschluss noch über einen Viehtrieb. Die Hunde sehen aus wie im Schlamm gebadet.
Die Aussicht ist allerdings grandios.
Den sonnigen Abschluss haben wir dann am Strand von Rhossill.

In Swansea bestellen wir uns zwei viel zu große Portionen Fish & Chips. Ich glaube angeschlagen war es als die "middle" Portion.

Zum Abend sind wir dann im ältesten Pub von Wales, dem Blue Anchor Inn.
Das Reet gedeckte Bruchsteinhaus ist tatsächlich von 1380. Entsprechend beeindruckt bin ich von und in diesem historischen Gemäuer.
Da der Fish mit den Chips noch fröhlich in meinem Bauch ein Wettschwimmen abhält, bin ich zufrieden Sandras Muscheln nur zum zweiten mal auslutschen zu dürfen. 😂

Und bevor wir jetzt zum letzten Stopp unseres Roadtrips kommen, möchte ich euch noch von einer üblen Nachrede berichten, die mich den ganzen Urlaub verfolgt hat.
Sandra behauptete immer wieder während der Reise, dass ich mir gar nicht Wales anschaue, sondern ständig mit meinem Handy beschäftigt bin.
Zuhause bekomme ich dann einige der nun folgenden Fotos, vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen, präsentiert, um diese Behauptung zu untermauern. Bildet euch bitte selbst eine Meinung. 🙄✌️😇😂

Letzter Stopp, Cardiff.
Nach all den kleinen, leeren Straßen, frei gewählten Übernachtungsplätzen, der Ruhe um uns rum, ist das schon ziemlich aufregend in die Hauptstadt von Wales zu fahren. Gleichzeitig steht uns nicht der Sinn nach einer ausgedehnten Sightseeing Tour. Und die Zeit drückt, wir müssen abends auf der Fähre in Dover sein.
Also wählen wir eine kurze Shopping Tour mit kulinarischen Erlebnissen.
Im Cardiff Market erstehen wir grobe Lamm Bratwurst mit ... Minze, für eine geschmackliche Erinnerung an Wales in der Heimat.
Und in den Castle Quarter Arcaden genießen wir noch ein phantastisches Welsh Rarebit bei Madame Fromage.


Nach 15 Tage und beeindruckenden 3000 Kilometern kommen wir wieder in der Realität unserer Leben an.
Zuhause.
Schön war es in diesem anderen Land, mit tollen Menschen, beeindruckender Landschaft, unglaublichem Bier und kulinarischen Erlebnissen.

Danke Boots, Steve und Fülop für eure treue Begleitung.
Danke Sandra für die detaillierte Planung und das Schnuppernäs'chen fürs beste Bier.
Gerne habe ich euch gefahren.

                                                                             THE END