Geduld und Humor sind zwei Kamele die mich durch jede Wüste bringen.
Arabisches Sprichwort

Oma Janne

Marianne Janutta, geb. Braselmann
* 21. September 1930
+ 20. Juli 2026

Ich möchte euch einen Rückblick schenken auf das Leben von Marianne Janutta,
geborene Braselmann, geboren am 21. September 1930, in Köln-Sülz
und wie sie immer betonte ... in der Nikolausstraße Nummer 6.

Das erste Kind von Anna Maria und Richard Emil Braselmann.

Ich freue mich, mit euch, an diesem friedlichen Ort im Wald zu sein.
Einige sind so schön bunt hier. Das macht es mir einfacher.

Als Oma und ich uns für diesen Friedwald entschieden haben, haben wir nicht an Trauerfeier,
Trauergäste, 30° und den beschwerlichen Weg gedacht.
Oma war schon stark sehbehindert und ich habe ihr diesen Ort blumig beschrieben.

Alt werden es nichts für Feiglinge.
2007 schwand Omas Sehkraft durch eine Makuladegeneration.
Das ging ziemlich schnell und ihr Leben änderte sich grundlegend.
Kein Auto mehr fahren ...
nähen, stricken, häkeln ... geht nicht mehr.
Der Garten verliert auch seinen Reiz.
Oma hat die kommenden Jahre viel Lebenswertes verloren.
Behalten hat sie viele Menschen, die sie besuchten und Zeit für Kaffee und Gespräche hatten.

2018 mussten Oma und ich dann wieder enger zusammen kommen.
Unterstützung und Pflege begannen.
Im ersten Jahr hast du Sturkopf mit mir viel gestritten.
Du musstest so viel loslassen.
Ich habe das gesehen und verstanden.

Nach drei Jahren musste ich dann loslassen.
Ich hatte so viele Zweifel. Ich habe so gekämpft mit mir.
Dich ins Pflegeheim umziehen zu lassen ... war eine entsetzlich schwere Entscheidung.
Wer möchte diesen Umzug schon im Alter?!

Aber wenn ich dich besucht habe im Pflegeheim hatten wir eine tolle Zeit.
Unbeschwert ... Kein Alltag zwischen uns.
Die Hunde Steve, Boots, Hektor, Joshi, George und Mascha ...
sie haben Abwechslung ins Zimmer gebracht und ins Pflegeheim.

Ist schon ein irrer Moment, wenn man mit großen Hunden ins Pflegeheim kommt und von allen Seiten Rollatoren auf einen zuströmen und Senioren begeistert die Hunde streicheln wollen.

Dann ein Rollstuhl für dich ...
Zweimal die Woche habe ich dich reingepackt.
Du hast das Gesicht in die Sonne gehalten, während ich dir im Park vorgelesen habe.
Wir haben den Schnee gepflügt.
Die Hunde haben gelernt uns nicht umzureißen.
Deine Erlebnistour durch den Edeka war mal ein Wocheneinkauf.

Das war eine wertvolle Zeit für mich.
Gelacht, hast du ... über meine bissigen Witze zur harten Realität.
Das, liebe Oma, werde ich sehr vermissen.

Oma und George
Oma und George
Oma + ich beim Karneval
Oma + ich beim Karneval
Oma Rollstuhl im Schnee
Oma Rollstuhl im Schnee
Oma schieb mich
Oma schieb mich


Du wurdest gerade 9 Jahre alt, als der Krieg begann.
Bis in dein 15. Lebensjahr hinein herrschte Krieg.
Immer schlimmer, so dass ihr aus Köln weggezogen seid.
Westerwald, Schlesien, Leipzig … zum Ende des Krieges Schleswig-Holstein.
Inzwischen hattest du vier Geschwister.
Peter, Käthe, Willi und Brigitte.
Euer Vater im Krieg gefallen.
Besonders die Verbindung zu deinem Bruder Peter hat sich auf der Flucht stark gefestigt.
Es ging um Nahrung, einen Schlafplatz, nicht frieren.

Kattendorf / Kaltenkirchen-Moorkaten
40 km nördlich von Hamburg
Dein Fotoalbum beginnt 1950.
Alles davor hat der Krieg genommen.
Du bist gerade 20 Jahre alt.
Die Fotos im Album stecken voller Lebensenergie ... Freude ... Nachholen …
Feiern, verkleiden, Ausflüge, arbeiten, Chic sein ...
Freunde, Oma Ria, deine Geschwister ...

Und ein paar Bilder haben mich nicht mehr losgelassen ...
Zelten am Strand ...
Nord oder Ostsee ... Keine Ahnung.
Du lächelst im Bikini in die Kamera.
Eine junge Frau … jünger als deine Urenkel heute.
Was muss sich diese Zeit unglaublich gut angefühlt haben.

Oma Janne 1950 am Strand
Oma Janne 1950 am Strand

Ich hab gehört ihr habt viel gefeiert.
1953 auf einer Karnevalsfeier oder Hochzeit, lernst du Gerhard kennen.
Er wohnt in der Nachbarschaft. Ihr seid fast gleich alt.
Im Juli 1954 heiratet ihr beiden.
Jung und hübsch seht ihr auf eurem Hochzeitsfoto aus.

Omas + Opas Hochzeit
Omas + Opas Hochzeit

Seine Tochter, meine Mutter, zieht bei euch ein.
Es ist eine schwierige Zeit. Ihr lebt in einer einfachen Siedlung, mit Gerhards Eltern in zwei Zimmern.

Von Schleswig-Holstein ziehen die Braselmanns, Henschels, Reinhards und Januttas in den folgenden Jahren ins Siegerland.
Einer nach dem anderen.
Und ihr wohl als letzte in den Jahren 59/60.

67/68 wird ein Haus, mit vereinten Familienkräften, in Oberschelden gebaut.
So ein kleiner ungeplanter Zwerg zieht mit seinen Eltern direkt mal mit ein.
In meinem Fotoalbum sind Fotos, die mir zeigen, dass du eine große Freude mit dem kleinen Quäker hattest.
Und er mit dir.

Oma mit Uli 1969
Oma mit Uli 1969

Finanziell war das Leben auf Kannte gerechnet.
Opa erneuert als selbstständiger Ankerwickler Waschmaschinen Motoren im Keller.
Mama, du und Uroma legen die Wicklungen in die Motoren oben in der Wohnung ein.

So beginnt meine Erinnerung …

Gemüsegarten, Feld, Tiere auf dem ganzen Grundstück.
Katze und Hund, Aquarium und Wellensittich gehörten damals in manchen deutschen Haushalt.
Aber über 100 Kaninchen, Hühner, mal Schafe, mal Schweine, mal Rinder und auch Gänse ...
waren damals wie heute was Besonderes.

Damals euer Leben.
Ich habe es geliebt.
Wir, alle Kinder der Großfamilie, haben es geliebt.

Ich erinnere mich auch an die feuchtfröhlichen Familien- und Nachbarschaftsfeiern.
Alter Schwede.
Das muss man erlebt haben.

Trotzdem.
Nicht alles war Friede Freude Eierkuchen.
Januar 1981, euer Nachbar findet deinen Mann, Opa Gerhard, früh morgens in der Hauseinfahrt.
Gestorben beim morgendlichen Schneeschaufeln.

Du bist mit gerade mal 50 Jahren Witwe.
Du bist tief erschüttert, möchtest es lange nicht wahr haben wollen.
Verzweifelt.

Zweieinhalb Jahre später stirbt deine Mutter, die mit dir in Oberschelden wohnt.
Zum Glück stehen Menschen an deiner Seite.
Und du startest dein Leben neu.

Wandern mit Nachbarn, Freundinnen in der Straße, im Dorf, in Siegen.
Turnverein ... Fotos vom Kugelstoßen.
Feiern ... Aufführungen.
Südtirol mit Herrn Schorek.

Oma tanzt im Urlaub
Oma tanzt im Urlaub


In den 90ern ziehen wir ins Haus.
Bald darauf fordern dich noch mal zwei Urenkel als Oma.


Fast 96 Lebensjahre.
Wie soll man angemessen darüber berichten?

Anstrengend - erfüllt,
Nicht immer fair ...
Doch bis zuletzt hast du gelacht.
„Schön ist es auf der Welt zu sein.“ … ja Oma
… ohne dich ein bisschen leerer.
Wir werden an dich denken. ☺️😘

Oma im Eiscafe 2023
Oma im Eiscafe 2023
Oma lächelt aus Fenster
Oma lächelt aus Fenster

Trauerrede anlässlich der Beerdigung, 5. August 2026